Kurz & knapp
- Der Notgroschen gehört auf ein Tagesgeldkonto einer deutschen Bank: sicher, schnell verfügbar und bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank über die Einlagensicherung geschützt.
- Die Cash-Reserve für günstige Aktien- oder ETF-Käufe im Crash ist etwas anderes: Sie darf stärker auf Rendite abzielen, damit die Kaufkraft nicht zu stark von der Inflation aufgefressen wird.
- Für größere Beträge sind entweder eine Streuung auf mehrere Banken oder Geldmarktfonds / Geldmarkt-ETFs oft die passendere Lösung als ein einzelnes Tagesgeldkonto.
- Liquide P2P-Angebote wie Bondora Go & Grow, TWINO FLEXI oder Monefit können Rendite bringen, sind aber wegen Plattform- und Kreditrisiken deutlich riskanter und deshalb nur für einen kleinen, bewusst gewählten Teil der Reserve sinnvoll.
Beim Cash parken geht es meistens um zwei verschiedene Geldtöpfe. Der erste ist der Notgroschen für echte Notfälle wie Autoreparatur, Jobverlust oder eine plötzliche Rechnung. Dieses Geld soll vor allem sicher und schnell verfügbar sein.
Der zweite Geldtopf ist die Cash-Reserve für die Börse. Damit kaufst du bei Rücksetzern oder Crashs gezielt Aktien und / oder ETFs nach. Hier darf das Geld etwas renditeorientierter arbeiten, damit die Kaufkraft nicht unnötig durch die Inflation verloren geht.
Genau deshalb ist es sinnvoll, Tagesgeld, Geldmarktfonds und liquide P2P-Produkte nicht einfach als Parkplätze für „Cash“ in einen Topf zu werfen. In diesem Artikel erkläre ich die Unterschiede und wofür ich welches Produkt selbst nutze.
Notgroschen und Cash-Reserve: zwei unterschiedliche Geldtöpfe
Wer Cash parkt, braucht zuerst eine saubere Trennung zwischen den Zwecken seines Cashs: Der erste Geldtopf ist der Notgroschen. Dieser ist für echte Notfälle gedacht und sollte deshalb so langweilig, also schnell verfügbar und sicher, wie möglich sein. Der zweite Geldtopf der Cash-Reserve dagegen ist dafür da, Chancen am Markt zu nutzen oder größere Ausgaben kurzfristig vorzubereiten. Hier können durchaus weniger schnell verfügbare und renditestärkere Produkte verwendet werden.
Es ist wichtig, die unterschiedlichen Verwendungszwecke dieser zwei Geldtöpfe zu erkennen, damit der Notgroschen nicht zu risikoreich angelegt oder umgekehrt die Cash-Reserven zu defensiv geparkt werden.
Tagesgeld: der beste Parkplatz für den Notgroschen
Tagesgeld ist die naheliegende Lösung für den Notgroschen. Das Geld liegt bei einer deutschen Bank oder einem deutschen Broker, ist in der Regel täglich verfügbar und fällt innerhalb der gesetzlichen Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank unter den Schutz der Einlagensicherung. Ich parke meinen Notgroschen aktuell bei Scalable Capital, weil dort ordentliche Zinsen drin sind.
Für den Notgroschen ist das ideal, weil Sicherheit und Verfügbarkeit wichtiger sind als zusätzliche Rendite. Wenn du deutlich mehr Cash-Reserven sicher parken willst, solltest du über mehrere Banken streuen oder einen Teil in Geldmarktprodukte verschieben.
Worauf du beim Tagesgeld achten solltest
Beim Tagesgeld ist nicht nur der beworbene Zinssatz wichtig. Viele Banken arbeiten mit Aktionszinsen, die nur für Neukunden, nur bis zu einer bestimmten Summe oder nur für einen begrenzten Zeitraum gelten.
Für den Notgroschen ist das trotzdem okay, solange es sich um eine deutsche Bank handelt. Wenn du deutlich mehr als 100.000 Euro sicher parken willst, solltest du über eine Streuung auf mehrere Banken nachdenken.
Geldmarktfonds und Geldmarkt-ETFs: für die größere Cash-Reserve
Geldmarktfonds und Geldmarkt-ETFs investieren in sehr kurzfristige, hochwertige Geldmarktanlagen oder bilden kurzfristige Geldmarktzinsen nach. Das Ziel ist nicht hohe Rendite, sondern eine möglichst stabile, geldmarktnah verzinste Cash-Alternative.
Der große Vorteil gegenüber Tagesgeld: Du kannst größere Cash-Reserven im Depot effizienter parken und profitierst stets von den aktuellen Zinsen des Geldmarktes, wofür du beim Tagesgeld oftmals den Anbieter wechseln müsstest. Der Nachteil: Es handelt sich um Wertpapiere, nicht um Bankeinlagen. Es gibt keine Einlagensicherung, dafür aber in der Regel nur geringe Schwankungen und überschaubare Kosten.
Beispiele für Geldmarkt-ETFs und Geldmarktfonds
- Xtrackers II EUR Overnight Rate Swap UCITS ETF 1C – ISIN LU0290358497 / WKN DBX0AN
- Invesco Euro Cash 3 Months UCITS ETF Acc – ISIN IE00B3BPCH51 / WKN A0RAC9
- Amundi EUR Overnight Return UCITS ETF Acc – ISIN FR0010510800 / WKN LYX0B6
Wichtig: Das sind nur Beispiele, keine Empfehlung. Vor dem Kauf solltest du immer TER, Replikation, Ausschüttung, Sparplanfähigkeit und die Kosten deines Brokers prüfen.
Worauf du bei Geldmarktfonds und Geldmarkt-ETFs achten solltest
Bei einem Geldmarkt-ETF solltest du genau hinschauen, was der Fonds tatsächlich abbildet. Gute Produkte orientieren sich an sehr kurzfristigen Zinsen, haben meist niedrige laufende Kosten und sind für größere Cash-Reserven oft interessanter als dauerhaftes Tagesgeld-Hopping.
Wichtig ist aber: Ein Geldmarkt-ETF bleibt ein Wertpapier. Es gibt keine Einlagensicherung.
Liquide P2P-Angebote: Renditebaustein der Cash-Reserve
Liquide P2P-Angebote wie Bondora Go & Grow, TWINO FLEXI oder Monefit wirken deshalb spannend, weil sie das Versprechen aus Flexibilität und höherer Rendite kombinieren. Dabei sollte dir stets klar sein, dass du hier nicht in sichere Geldmarktprodukte investierst. Stattdessen investierst du hier in Kredite und es gibt sowohl Kredit- als auch Plattformrisiken.
Deshalb würde ich liquide P2P-Angebote höchstens als kleinen Renditebaustein für einen Teil meiner Cash-Reserve nutzen. Für einen echten Notgroschen sind mir P2P-Kredite zu unsicher.
Cash parken im Vergleich: Welche Lösung für welchen Zweck?
Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede der oben vorgestellten Möglichkeiten:
Meine Faustregel für Notgroschen und Cash-Reserve
Meine einfache Faustregel lautet: Der echte Notgroschen gehört auf ein gutes Tagesgeldkonto einer deutschen Bank. Das können je nach Lebenssituation drei bis sechs Monatsausgaben sein. Wer selbstständig ist, eine Familie versorgt oder hohe Fixkosten hat, kann bewusst mehr Sicherheit einplanen.
Alles darüber hinaus ist nicht automatisch Notgroschen. Größere Cash-Reserven, die du beispielsweise im Fall eines Börsencrashs zum günstigen Nachkauf von Aktien und / oder ETFs nutzen willst, können über Geldmarktfonds oder Geldmarkt-ETFs sinnvoll angelegt werden. Hier solltest du aber Kosten, Spreads, Produktstruktur und Brokergebühren im Auge behalten.
Liquide P2P-Angebote wie Bondora Go & Grow, TWINO FLEXI oder Monefit würde ich für einen Teil meiner Cash-Reserve nutzen, um damit eine höhere Rendite zu erzielen und die Inflation zu schlagen.
Typische Fehler beim Parken von Cash
Der häufigste Fehler ist, Notgroschen und Cash-Reserve für Investitionen gleich zu behandeln. Es ist sinnvoll, zwischen beiden zu unterscheiden.
Der zweite Fehler ist Renditevergleich ohne Risikovergleich. Ein P2P-Angebot mit höherem Zielzins ist nicht automatisch besser als Tagesgeld, sondern schlicht eine andere Risikoklasse.
Der dritte Fehler ist zu viel Cash auf schlecht verzinsten Konten, nur weil es bequem ist.
Fazit: Notgroschen und Cash-Reserve sauber trennen
Für den klassischen Notgroschen ist Tagesgeld meistens die beste Wahl. Für größere Cash-Reserven im Depot können Geldmarktfonds oder Geldmarkt-ETFs interessant sein, wenn du Wertpapiercharakter, Kosten und Handel verstehst.
Liquide P2P-Angebote wie Bondora Go & Grow, TWINO FLEXI oder Monefit können eine spannende Renditebeimischung für deine Cash-Reserve sein. Sie gehören aber nicht in dieselbe Schublade wie Tagesgeld. Wer P2P nutzt, sollte es als Investment mit Liquiditäts- und Plattformrisiko betrachten, nicht als sicheres Tagesgeld.
Aktuell parke ich mein Tagesgeld top verzinst mit 2,4 % p.a. beim deutschen Broker Scalable Capital.
Häufige Fragen
Ist ein Geldmarkt-ETF sicherer als Tagesgeld?
Nicht pauschal. Tagesgeld ist eine Bankeinlage und fällt innerhalb der geltenden Grenze von 100.000 € je Bank unter die Einlagensicherung. Ein Geldmarkt-ETF ist dagegen ein Wertpapier und Sondervermögen, aber keine Bankeinlage.
Kann ich meinen Notgroschen in einen Geldmarkt-ETF legen?
Möglich ist das, für viele Anleger aber nicht ideal. Der Notgroschen sollte besonders einfach, schnell und mental getrennt verfügbar sein. Dafür eignet sich Tagesgeld meistens besser.
Wann lohnt sich ein Geldmarkt-ETF?
Ein Geldmarkt-ETF kann sich lohnen, wenn du größere Cash-Beträge im Depot parken möchtest und Kosten, Spreads sowie kleine Kursschwankungen verstehst.
Welche Kosten hat ein Geldmarkt-ETF?
Typisch sind die laufenden Fondskosten und je nach Broker Ordergebühren. Diese Kosten solltest du gegen den Zinsvorteil abwägen.
Wie viel Geld sollte auf dem Tagesgeldkonto liegen?
Viele nutzen drei bis sechs Monatsausgaben als Orientierung. Die passende Höhe hängt aber von Job-Sicherheit, Fixkosten, Familie, Immobilienbesitz und persönlichem Sicherheitsbedürfnis ab.
Sind P2P-Kredite ein Ersatz für Tagesgeld?
Nein. Auch liquide P2P-Kredite haben ein deutlich höheres Risiko als Tagesgeld. Liquide P2P-Kredite können eine sinnvolle Beimischung für Teile der Cash-Reserven abseits des Notgroschens sein.



