Was ist ein ETF? Einfach erklärt für Anfänger

Aktualisiert am 22. Februar 2026

ETF einfach erklärt für Anfänger

Mein persönlicher Einstieg in ETFs

Ende 2020 habe ich meinen ersten ETF gekauft. Nicht, weil ich plötzlich alles über die Börse und das Investieren wusste. Sondern weil ich während der Corona-Zeit gemerkt habe, wie fragil ein einzelnes Einkommen sein kann.

Ich erinnere mich noch gut an den Gedanken, der mich damals beschäftigt hat: Mein Einkommen bricht gerade weg – und ich habe kein echtes Sicherheitsnetz. Wenn es jetzt schon so ist, wie wird es erst später im Alter? Gleichzeitig hatte ich großen Respekt vor der Börse. Ich wollte investieren, aber ich wollte nicht spekulieren. Einzelaktien fühlten sich damals für mich noch wie Wetten an. Und aus meinem Umfeld hörte ich auch oft: „Börse ist doch nur Zockerei“.

Schließlich bin ich auf ETFs gestoßen. Und ehrlich gesagt: Ich war überfordert. Index, TER, thesaurierend, synthetisch – das klang kompliziert. Ich hatte damals noch keine Strategie. Ich hatte nur den Wunsch, schnellstmöglich mit dem Investieren anzufangen.

Heute weiß ich: Ein ETF ist kein Hexenwerk. Aber man sollte verstehen, was ein ETF wirklich ist – und wie er funktioniert. Genau das schauen wir uns jetzt Schritt für Schritt an.

Kurz & knapp

Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein börsengehandelter Fonds, der in der Regel einen Index nachbildet – zum Beispiel einen weltweiten Aktienindex.

Statt beispielsweise einzelne Unternehmensaktien selbst gezielt auszuwählen, investierst du mit einem ETF automatisch in einen Korb mit vielen Unternehmen gleichzeitig.

ETFs sind meist kostengünstig, transparent aufgebaut und einfach über ein normales Wertpapierdepot handelbar.

Was ist ein ETF? Die einfache Definition

Kurz gesagt: Bei einer Einzelaktie investierst du in genau ein Unternehmen. Ein klassischer Fonds wird aktiv von einem Fondsmanager gesteuert. Ein ETF dagegen folgt einem festen Regelwerk – dem zugrunde liegenden Index.

Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein Investmentfonds, der an der Börse gehandelt wird und einen bestimmten Index möglichst genau nachbilden soll.

Der große Unterschied zu aktiv gemanagten Fonds: Bei einem ETF versucht kein Fondsmanager „den Markt zu schlagen“. Stattdessen folgt der ETF festen Regeln seines Index.

Das bedeutet: Wenn der zugrunde liegende Index steigt, soll auch der ETF steigen. Fällt der Index, fällt in der Regel auch der ETF.

Merkmal
Einzelaktie
Aktiver Fonds
ETF
Assets
1
mehrere
viele
(je nach Index)
Management
Selbstverwaltung
Fondsmanager
Index
Laufende Kosten
keine
höhere laufende Kosten
niedrige laufende Kosten (TER)
Streuung
keine
mittel
hoch
(je nach Index)
Zielsetzung
Markt schlagen
Markt schlagen
Markt nachbilden

Wichtig: ETFs sind Sondervermögen. Das heißt: Das Fondsvermögen wird getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft verwahrt. Sollte die Gesellschaft insolvent gehen, hätte das keinen Einfluss auf dein Fondsvermögen. 

Warum sind ETFs so beliebt bei Investoren?

ETFs haben in den letzten Jahren stark an Beliebtheit gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Breite Streuung mit nur einem Produkt
  • Hohe Transparenz (Indexregeln sind öffentlich einsehbar)
  • Vergleichsweise niedrige laufende Kosten (TER)
  • Einfacher und günstiger Kauf über ein normales Depot bei quasi allen Brokern möglich

Gerade für Einsteiger wirkt das attraktiv. Mit einem einzigen ETF kann man in hunderte oder sogar tausende Unternehmen investieren.

Wie funktioniert ein ETF genau?

Bevor du dich für einen ETF entscheidest, lohnt es sich, die Mechaniken dahinter zu verstehen. Denn viele Qualitätsunterschiede – und auch einige Risiken – entstehen genau bei der Art und Weise, wie ein ETF seinen Index abbildet.

Ein ETF bildet einen Index nach

Ein ETF orientiert sich an einem bestehenden Index. Ein Index legt fest, welche Unternehmen enthalten sind und wie stark sie gewichtet werden.

Wenn ein Unternehmen im Index stark gewichtet ist, hat es auch im ETF ein höheres Gewicht. Genau hier kann später auch das Thema des Klumpenrisikos durch nur wenige große Positionen entstehen.

Replikationsmethoden – welche gibt es?

Ein ETF kann einen Index auf unterschiedliche Weise abbilden:

  • Physische Replikation: Der ETF kauft die enthaltenen Assets (zum Beispiel Aktien) tatsächlich. Dadurch gibt es kaum Nachbildungsfehler, also Abweichungen gegenüber der Zusammensetzung des zu Grunde liegenden Indizes. Die physische Replikation stößt an ihre Grenzen, sobald es um die Nachbildung eines Indizes mit mehreren hundert Einzelpositionen (beispielsweise MSCI World mit über 1.500 Positionen) geht. Hier fallen für die exakte Nachbildung hohe Transaktionskosten innerhalb des ETFs an, wodurch der Gewinn für Investoren geringer werden würde und die laufenden Kosten steigen würden. Aus diesem Grund ist die physische Replikation besonders für ETFs, die Indizes mit nur wenigen Positionen nachbilden, sinnvoll.
  • Sampling: Bei sehr großen Indizes wird nur eine repräsentative Auswahl gekauft. Auch wenn hierdurch die Möglichkeit für Nachbildungsfehler leicht ansteigt, führt diese optimierte Replikationsmethode zu geringen Transaktionskosten innerhalb des ETFs, was für Investoren geringere laufende Kosten bedeutet. Besonders große Indizes, wie beispielsweise der MSCI World, lassen sich mit dieser Methode effizient und kosteneffizient nachbilden.
  • Synthetische Replikation: Die Abbildung erfolgt über ein Tauschgeschäft (Swap). Dieses Vorgehen eignet sich für ETFs, welche sehr spezifische Anlageklassen mit geringer Liquidität abbilden. Durch das Tauschgeschäft entsteht ein zusätzliches Kontrahentenrisiko. Teilweise sind die Einzelheiten solcher ETFs für neue Investoren oft schwer verständlich.

Für Einsteiger ist wichtig: Alle Methoden sind reguliert. Dennoch sollte man verstehen, welche Methode ein ETF nutzt.

Thesaurierend oder ausschüttend?

Hier geht es darum, was mit Dividenden passiert.

  • Ausschüttend: Dividenden werden regelmäßig an dich ausgezahlt.

  • Thesaurierend: Dividenden werden automatisch wieder im Fonds angelegt.

Welche Variante sinnvoller ist, hängt von deinen Zielen ab. Möchtest du regelmäßige Erträge (Cashflow) sehen? Oder soll alles automatisch reinvestiert werden?

Was bedeutet die TER?

Die Total Expense Ratio (TER) gibt an, wie hoch die laufenden jährlichen Kosten eines ETFs sind. Sie wird prozentual angegeben und automatisch im Fonds berücksichtigt.

Eine niedrige TER ist grundsätzlich positiv – aber sie allein entscheidet nicht über die Qualität eines ETFs.

Warum die TER nicht alles ist – Tracking Difference

Die sogenannte Tracking Difference zeigt, wie stark die tatsächliche Entwicklung eines ETFs vom zugrunde liegenden Index abweicht.

Diese Abweichung kann durch Kosten, Replikationsmethode oder Steuereffekten entstehen.

Deshalb gilt: Nicht nur auf die TER schauen, sondern auch prüfen, wie sauber ein ETF seinen Index tatsächlich nachbildet.

Welche Risiken haben ETFs?

Im Folgenden werde ich aufeinige Risiken von ETFs gesondert eingehen.

Marktrisiko

Wenn die Märkte des zugrundeliegenden Index fallen, fällt auch dein ETF. Gerade in Krisenzeiten können Kurse deutlich schwanken. Die Belohnung für das Aushalten solcher Kursschwankungen (Volatilität) ist die Rendite.

Fondsgröße und Liquidität

ETFs mit geringer Fondsgröße, also dem Gesamtwert aller von Investoren eingesammelten Mittel, können unter Umständen von ETF-Anbieter geschlossen oder mit anderen Fonds verschmolzen werden, da sie wirtschaftlich unrentabel sind. Keine Sorge: Sollte das passieren, erhältst du dein eingesetztes Kapital zurück, da es sich um Sondervermögen handelt. Fonds mit hoher Fondsgröße werden als sicherer eingestuft, da diese für den ETF-Anbieter vermutlich wirtschaftlich rentabel sind.

Außerdem kann bei ETFs mit geringer Fondsgröße eine geringe Liquidität (Handelsvolumen) vorliegen. Durch dieses geringe Angebot oder geringe Nachfrage entsteht oftmals der sogenannte Spread – also eine höhere Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Das kann die Rendite von uns Investoren besonders bei größeren Transaktionen beeinflussen.

Konzentration und Gewichtung

Wie oben geschrieben: Nicht jeder ETF ist automatisch breit gestreut.

Manche ETFs enthalten nur wenige Positionen.

Aber auch wenn ein ETF viele Titel enthält, aber die Top-10-Positionen einen sehr hohen Anteil ausmachen, entsteht ein Klumpenrisiko.

Deshalb lohnt sich ein Blick auf:

  • Anzahl der enthaltenen Unternehmen
  • Gewichtung der größten Positionen
  • Branchenverteilung

Steuerliche Aspekte

Auch auf ETFs fallen Steuern an.

  • Bei ausschüttenden ETFs werden Dividenden besteuert.

  • Bei thesaurierenden ETFs kann eine sogenannte Vorabpauschale anfallen.

In der Praxis wird die steuerliche Abwicklung bei deutschen Brokern automatisch vorgenommen.

Wichtig ist der Freistellungsauftrag. Wenn du ihn bei deinem Broker hinterlegst, werden Erträge bis zur gesetzlich festgelegten Höhe automatisch steuerlich berücksichtigt. Hast du deinen Freistellungsauftrag vergessen, kannst du die zu viel gezahlten Steuern in der Steuererklärung geltend machen.

ETF-Checkliste – Darauf solltest du achten

Folgende Checkliste soll dir den Einstieg erleichtern.

ETF-Checkliste

Bevor du dich final für einen ETF entscheidest, prüfe folgende Punkte:

  • Habe ich den zugrunde liegenden Index verstanden?
  • Ist das Fondsvolumen ausreichend groß (100 Millionen+)?
  • Wie viele Titel sind enthalten?
  • Wie hoch ist die Gewichtung der Top-10-Positionen?
  • Welche Replikationsmethode wird genutzt?
  • Ist die TER im Vergleich zu anderen ETFs gerechtfertigt?
  • Möchte ich thesaurierend oder ausschüttend investieren?
  • Habe ich einen Freistellungsauftrag eingerichtet?

Fazit – Ist ein ETF für Anfänger sinnvoll?

Vielleicht die wichtigste Frage zum Schluss: Möchtest du dein Geld langfristig für dich arbeiten lassen – ohne zum Beispiel jede einzelne Aktie analysieren zu müssen?

Wenn ja, kann ein ETF ein sehr sinnvoller erster Schritt sein.

Ein ETF ist kein Garant für Rendite. Aber er ist eines der effizientesten Werkzeuge für langfristigen Vermögensaufbau – gerade für Einsteiger.

Der nächste logische Schritt ist nicht direkt der ETF-Kauf sondern die Erstellung deiner eigenen Strategie.

Im Anschluss brauchst du lediglich ein Wertpapierdepot bei einem Broker. Wenn du starten möchtest, findest du hier meine Erfahrungen und einen Überblick zu geeigneten Anbietern wie Scalable Capital oder Trade Republic.

 

Du möchtest deinen ersten ETF-Sparplan starten?

Dann brauchst du nur noch ein Wertpapierdepot.
Scalable Capital bietet eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, ETF-Sparpläne umzusetzen – auch mit kleinen monatlichen Beträgen.

Wenn du jetzt starten möchtest, findest du hier die offizielle Seite:

Häufige Fragen

Wie viel Geld brauche ich, um in einen ETF zu investieren?

Viele Broker ermöglichen einen ETF-Sparplan bereits mit kleinen monatlichen Beträgen. Alternativ kannst du einzelne ETF-Anteile über dein Depot kaufen. Die Einstiegshürde ist heute deutlich niedriger als früher.

Was ist besser: ETF oder Einzelaktien?

Das hängt von deinem Ziel ab. Mit Einzelaktien setzt du aktiv auf einzelne Unternehmen. Ein ETF verteilt dein Investment automatisch passiv auf viele Unternehmen. Für Einsteiger kann ein breit gestreuter ETF oft der ruhigere Start sein.

Was bedeutet thesaurierend bei ETFs?

Ein thesaurierender ETF reinvestiert Erträge wie Dividenden automatisch im Fonds. Du erhältst also keine Auszahlung, sondern profitierst vom Zinseszinseffekt. Bei einem ausschüttenden ETF werden Erträge dagegen an dich ausgezahlt.

Warum sitzt mein ETF oft in Irland oder Luxemburg?

Viele ETFs haben ihren Sitz in Irland oder Luxemburg.
Das kann unter anderem steuerliche Gründe haben, etwa bei der Behandlung von US-Dividenden. Für Privatanleger ist wichtig: Das wirkt sich meist indirekt auf die Performance aus. Es kann sich also lohnen, den Fondsstandort bewusst auszusuchen.

Sind ETFs wirklich sicher?

Ein ETF ist als Sondervermögen konstruiert, das vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt ist. Das schützt dich vor einer Insolvenz des Anbieters. Trotzdem unterliegt ein ETF ganz normalen Marktschwankungen – fallen die Märkte, fällt auch dein ETF.

Kann ich mit ETFs Geld verlieren?

Ja. Ein ETF bildet einen Index nach. Wenn dieser Index im Wert sinkt, sinkt auch der ETF. Wenn du ihn dann verkaufen solltest, verlierst du Geld. ETFs reduzieren durch Streuung das Risiko einzelner Unternehmen, aber sie eliminieren kein Marktrisiko.

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Die Inhalte dieses Beitrags stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern geben ausschließlich meine persönliche Meinung wieder. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden und können zu Verlusten führen.